mit Texten/Bildern aus "Lübeck plant und baut" Heft 40/September 1992 
100 Jahre Drehbrücke
mit freundlicher Genehmigung der Hansestadt
Lübeck - Baudezernat

 

Um die Jahrhundertwende war Lübeck der natürliche Ausfuhrhafen Berlins sowie seines Umlandes und lag hinter Hamburg und vor Bremen an der zweiten Stelle aller deutschen Seehäfen. 1890 wurde ein Drittel des gesamten deutschen Ostseehandels über Lübeck abgewickelt. Die Hansestadt Lübeck war zu dieser Zeit vor allem der größte Holzumschlagplatz und der führende deutsche Stückguthafen an der Ostsee. Der Warenaustausch mit Finnland, Rußland und besonders mit Schweden wurde fast monopolartig von hier aus betrieben.
die Drehbrücke
Die Gütermenge des ein- und ausgehenden Seeverkehrs stieg 1871 von 305.000 Tonnen auf 415.000 Tonnen im Jahr 1882. Alle disponiblen Plätze an den Häfen, sowohl auf der Wallhalbinsel als auch an der Roddenkoppel und am rechtsseitigen Hafenufer unterhalb der Struckfähre boten ein lebendiges Bild vom Aufschwung eines großen Handels- und Schiffahrtsverkehrs. Die ersten Anfänge eines entwicklungsfähigen Industrie- und   Hafenstandortes waren vorhanden.

Nach der Jahrhundertwende führten die Ansiedlungen der Schleswiger Reederei H.C. Horn und die Inbetriebnahme zahlreicher Erzfrachter durch das Handelshaus Possehl dazu, daß in Lübeck 61 Schiffe registriert wurden.

Schon seit Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war in der Lübecker Öffentlichkeit diskutiert worden, wie die Entwicklung der Vorstädte in planerisch geordnete Bahnen gelenkt werden könne. Ein Ergebnis war der von Wasserbaudirektor Peter Rehder entwickelte Bebauungsplan, der nach mehrfachen Änderungen im Jahre 1894 gesetzlich festgestellt wurde. Darin waren insbesondere die Hafenerweiterungspläne sowie der Bau des Elbe- Lübeck-Kanals enthalten (siehe Anhang).

„Es wird wohl keiner mehr die Richtigkeit jener Grundsätze (die Pläne zur Hafenerweiterung) verkennen, besonders wenn Lübeck sich seine Verkehrswege und Verkehrsanstalten so ausbaut, daß es mit anderen Seeplätzen konkurrenzfähig bleibt," führte Rehder in seiner Begründung zum Ausbau des Hafens an. In seinem Erläuterungsbericht weist er 1885 außerdem darauf hin, daß der dringende Ausbau des Hafens auch den Bau einer Drehbrücke erforderlich macht.

Nach fünfjähriger Bauzeit wurde der von Rehder (1843-1920) projektierte Elbe-Lübeck-Kanal am 16. Juni 1890 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet.
1892 wurde die Hafendrehbrücke gebaut. Die Brücke verbindet den Holstenhafen und den Hansahafen, die heute zu den Bundeswasserstraßen gehören.

Die Erschließung der nördlichen Wallhalbinsel, die bis dahin nur über den Holstentorplatz möglich war, wurde durch die Brücke erleichtert und die technischen Einrichtungen, wie Lagerhaus und erster großer Hafenkran, die beide heute noch vorhanden sind und unter Denkmalschutz stehen, durch die Drehbrücke ermöglicht.

 

1 Die Lagerplätze auf der Wallhalbinsel
2 die Hafengleise
3 eine Drehbrücke muss gebaut werden
4 Bau der Drehbrücke 1892
5 technische Daten
6 der Antrieb
7 der Königsstuhl
8 Schiff vor Schiene vor Straße
9 technisches Kulturdenkmal
10 Sanierung und Umbau
11 Momente einer Brückenöffnung
12 Pitsch - Der gute Brückengeist