Durch die oben beschriebenen Mängel wurde die Leistungsfähigkeit der Häfen bedeutend herabgemindert. Für den Hafenverkehr waren außerordentlich lange Häfen notwenig geworden, welche wiederum hohe Anlage- und Unterhaltskosten erforderten. Die Entwicklung der Dampfschiffahrt und des Eisenbahnverkehrs hatten, ebenso wie in den meisten anderen Seehäfen, auch in Lübeck vorwiegend den Speditionshandel am Kai ausgebildet. Auf den Kais wurden die Güter gesammelt und zur raschen Verladung geordnet. Das seewärts ankommende und abgehende Gut wurde nur in geringem Maße auf Lager genommen und gewöhnlich direkt von den Dampfschiffen auf die Eisenbahn und umgekehrt von diesen an die Schiffe weitergegeben. Dementsprechend waren für die Leistungsfähigkeit eines Kais in erster Linie die Flächengröße und Kailänge maßgebend.

In Lübeck war deshalb um 1884 eine direkte Verbindung der stadtseitigen Hafenbahn mit dem Bahnhof dringend erforderlich. Die Drehbrücke mußte gebaut werden.


Aus dem „Erläuterungsbericht zu den Prospekten, betreffend die bauliche Entwicklung der Lübeckischen Seehäfen"

 

 


 

Bauinspektor Rehder, Lübeck 1885
„Es bleibt daher ein unbestrittenes Bedürfnis," so Peter Rehder in seinen Ausführungen, „daß sobald wie möglich eine zweite Verbindung der Hafengleise mit dem Bahnhof vermittels einer Drehbrücke über den Hafen hergestellt werde." Und an anderer Stelle: „Allen Verbesserungen und Erweiterungen der stadtseitigen Kaianlagen muß aber notwendigerweise die Herstellung einer Drehbrücke zur besseren Verbindung der Uferbahn mit dem Bahnhof vorausgehen, damit der Kaibetrieb jederzeit rasch und sicher vonstatten gehen kann."

In Bezug auf die hafenseitigen Interessen entsprach der Brückenübergang, der nahezu die Richtung Walldurchfahrt bei der Matsfähre - Engelsgrube erhielt, „allen billigen Anforderungen". Nach dem Resultat der Vermessung im Jahre 1884 war der Brückenübergang ohne Schwierigkeiten durchführbar. Die Drehbrücke sollte sowohl für die Bahn als auch für Fuhrwerke eine Verbindung vom Rangierbahnhof stadteinwärts schaffen. Der Schienenanschluß an den Bahnhof sollte von dem Gleisenabzweig zu den Holzlagerplätzen erfolgen.